Muss man das ernstnehmen?!

Was denkt die Hip Hop Community?

Die HipHop-Community ist sich nicht sicher, wie man mit dem Phänomen umgehen soll. Zunächst erschien den meisten Hörer*innen und Künstler*innen das Auftauchen von NS Rap als absurd, da die HipHop-Kultur durch ihre afro-amerikanischen Wurzeln rechten Ideologien grundsätzlich widerspricht.

Einige, so zum Beispiel das Netzwerk ‚HipHop Parti-san‘, nahmen diese neue „Stilrichtung“ sehr ernst und fanden es gut, dass teilweise so scharf dagegen vorgegangen wurde (z.B. durch Indizierung) und – zumindest zeitweise – das Thema auch in den Medien Beachtung fand.

Der wesentlich größere Teil der Szene empfindet die Akteure des NS Rap als eine lächerliche Randerscheinung, die den meisten nicht mal ein Begriff ist. Der Wirbel um sie mache sie viel berühmter als sie es eigentlich, auch aufgrund ihrer Skills, also Rapfähigkeiten, verdient hätten. Außerdem haben viele Bedenken, das dieses Bild auch in Verbindung mit den Fler-Vorwürfen auf die komplette Kultur projiziert wird. Die Musik sei so schlecht, dass sie ohnehin von niemanden ernst genommen würden, so die Argumentation.

„Diese Sicht verkennt freilich, dass auch der herkömmliche Rechtsrock mit sehr fragwürdigen musikalischen Qualitäten begonnen hatte. Bands wie die Böhsen Onkelz oder die Neonazi-Stars von Landser, spielten zu Beginn ihrer Karriere OiPunk, der von Fans des Genres kaum mehr als ein höhnisches Achselzucken erntete. Gerade ihre rassistischen und menschenverachtenden Texte waren es, die ihnen mehr Aufmerksamkeit zuteil werden ließen als ihre Musik verdient hatte.“ (I can`t relax in Deutschland)

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Reaktionen aus der rechten Szene

Die rechte Musikszene bewegt sich musikalisch größtenteils im Rock-Genre. Die Palette reicht hierbei von Liedermacher-Musik über klassische Rockmusik bis hin zu Metal und Hardcore. Ähnlich wie auch in anderen Rock-Szenen (die nicht einer rechten Ideologie anhängen), haben die Hörer und Hörerinnen wenig Interesse an HipHop als Musik oder Lifestyle. Tendenziell besteht eher eine Abwehrhaltung ihr gegenüber. 

Der User Spreewaldbitter schrieb dazu im Thiazi Forum (Neonazi-Onlineforum):
„Mit dem ganzen Musikstil hab ich einige Probleme aber ich bemühe mich,als Laie sag ich mal das es Niggermucke ist,ob das nun richtig ist weiß ich allerdings nicht. Aber man soll ja im Kampf gegen das System viele Wege gehen und wenn man überhaupt nicht flexibel ist heißt das Stillstand. Einige Lieder von deutschen Sprechgesangskünstler finde ich doch sehr gelungen. Sie heben sich ab von den langweiligen blabla der Etablierten Geldnuttenkoksrapper (..) wenn die Bewe-gung auch diesen Weg schreiten möchte…na dann drücke ich mal die Daumen.“

Dies wird verstärkt durch die Ungewohntheit der Musik. So beklagt sich beispielsweise der User ‚Nordglanz‘ im ‚Nationale Revolution‘-Forum bezüglich N’Socialist Soundsystem: „Das Problem bei dieser Kapelle ist meiner Meinung nach, dass die einfach zu schnell ‚rappen‘. Wenn man also kein Beiheft hat, dann wird einem ungeübten Hörer die Scheibe von denen als unnötig erscheinen. Es hat dann auch nicht wirklich eine propagandistische Wirkung, weils einfach keiner versteht.“

Über das Debut-Album des Rappers Bock konnte man auf nsrostock.de (die Seite ist inzwischen gelöscht) lesen:

„Durchaus konnte man es als positiv ansehen, dass vereinzelt nationale Elemente in den Texten auftauchten. Etwa das Bekenntnis zu Blut als Identitätsmerkmal. Deutlich muss aber auch Kritik geäußert werden. “Gangster”-gehabe mit den üblichen Texten über Drogen und Prostitution widersprechen einer volkstreuen Bewegung. Schlussendlich handelte es sich daher um BRD- Mainstream-Musik mit niedrigem Niveau.“

Screenshot 'DeutschlandEcho' 2011

Screenshot des Blogs ‚DeutschlandEcho‘ 2011

Ein gängiges Argument stellt sich gegen den Ursprung der Subkultur. Allerdings besteht auch hierüber in der Neonazi-Szene Diskussionsbedarf. So schrieb ein User im Forum von nsrostock.de:

„An die Kritiker, welche diese Entwicklung als undeutsch oder entartet bezeichnen, kann man folgende Worte richten: informiert euch mal genauer über die Herkunft der Rockmusik. Böse Zungen behaupten, das der Rock sich ursprünglich aus dem “Rhythm and Blues” ableitete. Woher dieser stammt und welche Gruppe von Menschen ihn spielt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Daher leitet sich auch für den Rock und somit auch Hardcore die gleiche Eigenschaft des „Undeutschen“ ab.“

Auf die Frage ob Rappen deutsch ist, teilt Dee Ex der DVU in einem Interview mit: „Aber klar! Schließlich haben bereits mittelalterliche Minnesänger und -dichter wie Walther von der Vogelweide den Sprechgesang kultiviert.“

Bemerkenswert ist ein derzeit stattfindender möglicher Wandel dieser Abwehrhaltung bzw. eine Öffnung der Szene hinsichtlich der Erschließung von neuen Hörerschaften durch die neuerliche Präsenz MaKss Damages in der Szene. So gab es im Thiazi Forum bezüglich der Neuerscheinung seiner EP fast ausschließlich positive Reaktionen, die meistens dem Schema folgten: „ich höre kein Hip Hop aber die Texte sind gut“ und „wenn`s der Bewegung dient“.

Ein Beispiel: „Musikalisch wohl das mit (riesigem) Abstand Beste im Bereich „NS Hip Hop“ bisher. Nette Beats, gut abgemischt und auch mal Tempovariationen in der Stimme. Das hat mich bei der NSS teilweise sehr gestört, dass oftmals so schnell so viel Text abgespult wird, dass man kaum hinterher kam.“

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Eintagsfliege?


Die Fülle an Musikprojekten zeigt auf, dass der „Sprach-gesang mit nationalen Inhalten“ für rechtsradikale Aktivisten durchaus Potential zeigt. Durch das Bedienen dieses Musik-stils werden neue Möglichkeiten geschaffen, Jugendliche an-zusprechen, welche man mit dem gängigen Rock oder Balladen nicht mehr erreicht.


Darum halten es sehr viele Neonazis durchaus für begrüßenswert, dass diese Entwicklung stattgefunden hat und stattfindet, auch wenn sie die Musik selbst nicht anhören würden. So berichtet ein Mitglied des Projektes N`Socialist Soundsystem, dass die Reaktionen aus der rechtsradikalen Szene zunehmend positiver und auch unterstützender werden.

Neben den (von der NPD produzierten) so genannten „Schulhof-CDs“ verteilen bundesweit seit 2010 Neonazis auch die Schüler-CD an Schülerinnen und Schüler. Auf dieser sind auch NS Rap – Interpreten wie N`Socialist Soundsystem/ Enessess und SZU (Sprachgesang zum Untergang) vertreten.

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Ob sich NS HipHop bzw. dessen Produzent*innen durchsetzen werden, ist schwer zu sagen. Wichtig ist es, die Augen und Ohren offen zu halten und wachsam zu bleiben. Dass Wachsamkeit und Kooperation durchaus von Erfolg gekrönt sein können, zeigt sich beispielsweise daran, dass aufgrund eines kritischen Zeitungsartikels über Dee Ex sowohl ihr facebook- als auch ihr YouTube-Account, über die sie ihre Musik verbreitet, zumindest zeitweise gesperrt wurde.

Auf den Punkt bringt es meiner Meinung nach ein User des mysplash.de – Forums:
„Man darf das nicht einfach als einen lächerlichen Versuch sehen! Die Leute haben Geld und werden massenhaft unterstützt! Keiner darf sich wegdrehen und sagen das bringt sowieso nichts! Gerade Jugendliche sind so leicht beeinflussbar. Das Schlimme ist, dass die meisten überhaupt keine Ahnung haben von rechten Strukturen und eben das machen was ihnen vorgesetzt wird.“

Und NS HipHop gibt es weltweit – in Russland, Polen und Frankreich, aber auch beispielsweise in den USA. Hierzu ein Video des Online Musik TV Channels „aux“  (englisch):

Upload 18.12.13

Die – unterschiedlich ausführliche – Vorstellung einzelner Interpret*innen findet sich unter den folgenden Links. Stark vereinfacht wird zwischen Interpreten, die sich im rechten Umfeld bewegen und Rap, dessen Texte rechte Ideologie transportieren unterschieden.

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